Kennzeichen/Suchbegriff
Wissenschaftliche Veröffentlichungen
Auf die richtige Mischung aus Qualität und Quantität achten
Veröffentlichungen gehören zu einer wissenschaftlichen Laufbahn wie das Amen in die Kirche. Wer in der Wissenschaft tätig ist, forscht und neue Erkenntnisse gewinnt – wer eben Wissen schafft – der sollte dieses Wissen auch zugänglich machen. Veröffentlichungen haben dabei mehrere Bedeutungen: Auf der einen Seite bringt man seine eigenen Ergebnisse in die Diskussion der Forschergemeinschaft ein und leistet auf diesem Weg einen wichtigen Beitrag für den Fortschritt und die Weiterentwicklung. Auf der anderen Seite sind Veröffentlichungen aber auch ein grundlegender Pfeiler für die eigene Karriere und ein gutes Mittel, die eigene, ganz persönliche Reputation aufzubauen und zu verbessern.
Was ist aber die richtige Vorgehensweise beim Veröffentlichen? Sollte man sofort alles publizieren, das einem unter die Finger kommt, jede noch so kleine Entdeckung und jeden Gedankenblitz? Oder ist es besser solange zu warten, bis man den großen Wurf macht? Ich halte weder die eine noch die andere Vorgehensweise für richtig, sondern plädiere für eine „richtige Mischung“ aus Qualität und Quantität.
Es ist grundlegend falsch, sofort alles und jedes unter die Leute bringen zu wollen, um etwa die eigene Veröffentlichungsliste möglichst schnell wachsen zu lassen. Leider zählt an immer mehr Stellen aber mittlerweile alleine die bloße Anzahl an Publikationen, was einen derartigen Veröffentlichungswahn vorantreibt und geradezu erzwingt. Zudem sprießen Konferenzen und Journals geradezu wie Pilze aus dem Boden, wodurch diese Praxis noch unterstützt wird. Wenn aber keiner mehr nach dem „Was“ sondern nur noch nach dem „Wie viel“ fragt, dann bleiben der Fortschritt und damit der eigentliche Sinn von Wissenschaft am Ende auf der Strecke.
Genauso falsch ist es aber auch, seine Forschung solange im Stillen weiterzutreiben, bis man eines Tages die Weltformel als Lösung aller Probleme in den Händen hält. Als Wissenschaftler sollte man sich immer wieder vor Augen halten, dass oftmals der Weg das Ziel ist und man auch mit vielen kleinen Schritten vorwärts kommt. Außerdem besteht nur so die Möglichkeit, einen einmal eingeschlagenen Kurs zu korrigieren. Hat man dagegen zum großen Sprung angesetzt, ist es kaum mehr möglich, die Richtung in der Luft wieder zu ändern. Auch wenn in der Vergangenheit so schon der eine oder andere geniale Streich gelungen ist, sind dies doch eher die Ausnahmen.
Veröffentlichen will zudem gelernt sein; es hat auch Aspekte eines Handwerks. Meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rate ich deshalb, von Anfang an und kontinuierlich ihre Ergebnisse aufzuschreiben und auch zu publizieren – zunächst eher in Forschungsberichten und auf kleineren Konferenzen, um auf diesem Wege Erfahrungen zu sammeln und die Forschergemeinschaft kennen zu lernen. Ich erwarte aber schließlich von jedem, dass er am Ende seiner Dissertationszeit in der Lage ist, mit seinen über die Jahre gesammelten Kenntnissen und seinen wissenschaftlichen Ergebnissen auch auf den sehr kompetitiven Konferenzen oder sogar in den angesehenen Journals unseres Faches zu bestehen – und bisher ist das auch fast ausnahmslos jedem gelungen. Wenn dann dabei noch der eine oder andere Best-Paper-Award“ herauskommt, dann freut mich das natürlich ganz besonders.
ZUR PERSON
Wissenschaftliche Laufbahn: Seit über 20 Jahren arbeitet Professor Ralf Steinmetz am Themenbereich Multimedia-Kommunikation, unter anderem als Wissenschaftler und Manager bei den deutschen Tochterunternehmen der Firmen Philipps und IBM. Fünf Jahre leitete er das Fraunhofer Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme in Darmstadt. Seit zehn Jahren ist Professor Ralf Steinmetz Inhaber des Lehrstuhls Multimedia-Kommunikation an der TU Darmstadt.
Vorstand, Beratung: Er ist Vorstandsvorsitzender des hessischen Telemedia Technologie Kompetenz-Centers e.V. (httc) und Direktor des E-Learning Zentrums der TU Darmstadt. Außerdem ist er Mitglied in zahlreichen Fach- und Beratergremien der Industrie und Politik, wie zum Beispiel dem hessischen Technologiebeirat.
Auszeichnungen: Als erster Deutscher wurde Ralf Steinmetz mit beiden "großen" Awards der internationalen IT-Forschung, dem IEEE Fellow Award und dem ACM Fellow Award ausgezeichnet. 2005 wurde er als erster Universitätsprofessor überhaupt mit dem National Leadership Award des Economic Forums Deutschland für seine Vorreiterrolle in der deutschen Multimedia-Szene geehrt.
Firmengründungen, Konferenzen, Publikationen: Als Forscher, sowie Initiator, inhaltlicher Gestalter und Organisator zahlreicher internationaler Konferenzen hat er Darmstadt zu einem weltweit angesehen Standort der Multimedia-Kommunikation etabliert. Zahlreiche Patente, Veröffentlichungen, Open Source Projekte und Firmengründungen belegen das hohe Innovationspotential dieses Darmstädter Umfelds. Absolventen und Wissenschaftler aus seiner Umgebung sind weltweit tätig. Seine Bücher zur Multimedia-Technologie werden seit 1995 weltweit in unterschiedlichsten Sprachen als die Lehrbücher des Faches an vielen Universitäten verwendet. Er ist Mitbegründer des E-Finance-Lab in Frankfurt am Main.

